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25. Oktober 2017

E-Learning im Strafvollzug – Digitaler Deutsch-Unterricht unter erschwerten Bedingungen

Bild © Johannes Berrens, genuina.de. Mit freundlicher Genehmigung.

 

Sprache ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Miteinanders. Denn Sprachkenntnisse erlauben nicht nur die Teilhabe am sozialen Geschehen – sie sind auch die Grundlage für viele Bildungsangebote, insbesondere im Bereich der beruflichen Förderung. So ist es nicht verwunderlich, dass die aus mangelnder Sprach- und Sozialkompetenz resultierende Perspektivlosigkeit insbesondere viele Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie unbegleitete jugendliche Flüchtlinge in den Strafvollzug rutschen lässt.

Um diesen Menschen die erfolgreiche Resozialisierung durch Weiterbildungsmassnahmen zu ermöglichen – und den Justizvollzugsanstalten gleichzeitig die Kommunikation mit den InsassInnen zu erlauben – ist effektive Sprachenlehre hier unumgänglich. Aus diesem Grund wird mittlerweile die auf Avallain Technologien basierende e-Learning-Plattform ich-will-deutsch-lernen.de (IWDL) in einer speziell angepassten Offline-Variante im deutschen Strafvollzug eingesetzt.

Die Grundlagen der Sprachenlehre im Strafvollzug

Nach dem erfolgreichen Launch von IWDL dauerte es nicht lange, bis die vom ehemaligen Bundespräsidenten Gauck persönlich gelobte e-Learning Plattform auch das Interesse des Justizwesens erregte. Hier entstand der Wunsch, die Software auf Basis der Avallain Architektur sowie ihre mit Avallain Author entwickelten hochwertigen Lerninhalte auch im Strafvollzug einsetzen zu können.

Allerdings mussten einige Hürden genommen werden, um die ursprünglich für Einwanderer konzipierte e-Learning-Plattform an die Anforderungen im Strafvollzug anzupassen:

  • Die Plattform musste ohne Internet-Verbindung jederzeit erreichbar sein.

  • Lerninhalte, die kollaboratives Lernen erfordern, mussten umkonzipiert werden.

  • Der Blended Learning Fokus musste durch Angebote zur Einzelbetreuung erweitert werden.

Diese Veränderungen sind für das erfolgreiche e-Learning im Strafvollzug praktisch unumgänglich, wie etwa die JVA Ottweiler im Saarland festgestellt hat. Über 70 % der InsassInnen hier besitzen einen Migrationshintergrund, kombiniert mit häufig sehr eingeschränkten Deutschkenntnissen. Gleichzeitig sind viele von ihnen durch Drogenmissbrauch oder psychische Erkrankungen in ihren Kompetenzen eingeschränkt und können oft nicht an den regulären Bildungsangeboten teilhaben. Aus diesem Grund kann der kooperative Lernansatz, der es der Software erlaubt hat, als erste e-Learning-Plattform überhaupt für deutsche Integrationskurse zugelassen zu werden, unter den erschwerten Bedingungen des Strafvollzugs nur bedingt eingesetzt werden.

IWDL als Intranet-Version

Auf Basis dieser Erkenntnis haben wir eine spezielle Offline-Variante von IWDL entwickelt, die in das Portal „E-Learning im Strafvollzug“ (ELIS) der Justizvollzugsanstalten integriert ist. So kann die e-Learning Software auf einzelnen Rechnern oder im Intranet einer JVA installiert und von dort durch die InsassInnen abgerufen werden. „Dank des flexiblen Aufbaus der Avallain Architektur waren die Umstellung auf den Offline-Betrieb und die Integration in ELIS die einfachsten Anpassungen, die wir an der Software vorgenommen haben“ erinnert sich Ursula Suter, Mitbegründerin und Managing Director von Avallain. „Durch die eingeschränkte Internet-Konnektivität kann sich zwar der Rollout neuer Versionen des Programmcodes für die JVAs verzögern, aber der Zugewinn an Sicherheit ist enorm.“

Gleichzeitig haben wir die mit Avallain Author erstellten Lerninhalte auf die Bedingungen des Alltags im Strafvollzug angepasst. Hier ist es häufig aus Zeit- und Personalgründen oder aufgrund individueller Disziplinierungs- und Resozialisierungsmassnahmen nicht möglich, alle InsassInnen an geleiteten Deutschkursen teilnehmen zu lassen. Deswegen erlauben die angepassten Lerninhalte einerseits den bewährten Blended Learning Ansatz der Online-Version der Plattform, andererseits aber auch individuelles e-Learning.

Soziale Integration als finales Ziel

Das eigentliche Ziel des Deutschunterrichts im Strafvollzug ist jedoch auch ein soziales. Den InsassInnen sollen vor allem drei Kompetenzen vermittelt werden:

  • Sprachkenntnisse

  • Soziale Kompetenzen

  • Deutsche Sozialnormen

Diese Kompetenzen erlauben einerseits die erfolgreiche Reintegration in das deutsche Gemeinwesen, sind andererseits aber auch einfach zur Bewältigung des Alltags im Strafvollzug notwendig – etwa zur erfolgreichen Kommunikation zwischen InsassInnen und Personal.

Die Offline-Version von IWDL auf der ELIS-Plattform unterstützt diese Ziele mit einem Szenario-basierten Ansatz. Die über 11’000 interaktiven Übungen und 30 Lernszenarien sind darauf ausgelegt, Lernmaterialien in einen Rahmen alltäglicher Situationen einzubetten. Das erlaubt LernerInnen ohne Deutschkenntnisse ein besseres Verständnis für das Lernmaterial und vermittelt gleichzeitig die Normen und Werte einer Kultur, die ihnen möglicherweise noch vollkommen fremd ist. Als e-Learning-Angebot kann IWDL hierzu auf unzählige Fotos sowie Audio- und Videodateien zurückgreifen, die typische Alltagsszenarien interaktiv erlebbar und nachvollziehbar machen.

Bildung und Resozialisierung

Aus all diesen Gründen zählt ich-will-deutsch-lernen heute schon zu den beliebtesten e-Learning-Angeboten im deutschen Strafvollzug.

„Dass unser Lernportal nun auch im deutschen Justizsystem eingesetzt wird, ist für Avallain nicht nur ein weiteres Zeichen der Anerkennung für IWDL“ sagt Ursula Suter – „Wir glauben, dass Menschen, die durch mangelnde Bildung in den Strafvollzug gerutscht sind, nur durch Bildung langfristig wieder in die Gesellschaft zu integrieren sind. Mit unserer Lernsoftware für die Deutsche Sprache helfen wir diesen Menschen, von den Bildungsangeboten der JVAs auch wirklich Gebrauch zu machen – und verhindern, dass sie endgültig den Anschluss verlieren.“

 

 

Kontakt

Daniel Seuling, Head of Communications, dseuling@avallain.com

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